Die Taube | Patrick Süskind
Thumbs up
Jonathan Noel, ein Bankwachmann in seinen Fünfzigern, hat viel Aufwand betrieben, um sein Leben in völlige Gleichförmigkeit zu zwängen und so ein Gefühl der Kontrolle über die Angst vor der Ungewissheit aufzuspannen. Doch als eines Tages eine Taube im Flur vor seinem Mietzimmer sitzt, ist sein Leben praktisch vorüber. Denn ihre Fremdheit bringt eine schreckliche Unberechenbarkeit mit sich, die gegen alles geht, was Jonathan aufgebaut hat.
Die Prämisse, zugegebenermaßen leicht absurd, wird durchweg ernst behandelt. Das erdet die Geschehnisse, schafft Empathie für unseren Protagonisten und bleibt dennoch bis zum Schluss unterhaltsam. Wenn Jonathan beispielsweise in seinem Kopf errechnet, wie viele Wochen er mit seinem Ersparten in einem Hotel unterkommen könnte, dann konnte ich nur grinsend nicken. Denn das ist genau die Frage, die ich mir auch stellen würde.
Mit ihrer knappen Seitenzahl ist die Novelle, ähnlich dem Spuk der Taube, schnell vorbei. Zurück bleiben wir, die uns fragen, ob es das nun wirklich war und ob denn das Leben nun wieder in seiner alten Bahn weitergehen kann.
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