Vorbereiten auf den Zufall | Lena Wild
Thumbs down
In dieser Debüt-Kurzgeschichte wird die Postmoderne bis an ihre Grenzen getrieben: Alles wird hinterfragt, nichts wird ernst genommen, nirgends wird sich festgelegt, alles zerfällt in eine beliebige Absurdität, aber auch dazu wird wieder Abstand genommen. Bloß nichts behaupten, immer auf Distanz, denn sonst kann ja widersprochen werden.
Diese Formentscheidungen schließen erst einmal auch recht gut an den Inhalt an: Das Leben des Physikprofessors Johann Rottmayr wird aus den Fugen geworfen, als er mit dem Widerspruch der Endlichkeit des Lebens und der Unendlichkeit der Mathematik konfrontiert wird. Sein regelgeleitetes Weltbild wird durch einen Blick in diese Absurdität ausgehebelt und lang gehaltene Annahmen hinterfragt. Interessanterweise zieht dieses einschneidende Erlebnis beinahe keine praktischen Folgen für sein Leben nach sich. Der Prozess läuft größtenteils in seinem eigenen Kopf ab.
Den Kontrast zu dieser Entwicklung bildet jedoch die Form, die stetig mehr aus den Fugen gerät, mit einer Erzählinstanz, die unaufhörlich auf sich aufmerksam macht, die vierte Wand bricht und schließlich eine weitere Meta-Ebene kreuzt und den Entstehungsprozess der Novelle selbst kommentiert. So entfernt sich das Werk zum Ende hin zu viele Ebenen von seiner ursprünglichen fort um förmlich oder gar nur thematisch eine Einheit zu bilden.
Wie eingangs angesprochen, wird die Flucht in die Meta-Ebene von einigen Autor*innen verwendet, um sich noch vor der Veröffentlichung vor Kritik zu immunisieren, um dieser vorzugreifen und sich selbst von ihrem Werk zu distanzieren. Hier ist allerdings gar keine Kritik mehr nötig, da sich das Werk bereits selbst zerlegt hat, sich selbst gar als unfertig bezeichnet. Da gehe ich gerne mit und empfehle stattdessen Thumbs upDie Taube, eine ausgereiftere Auseinandersetzung mit ähnlicher Thematik.
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